Büro der Gegenwart
Der ausgelobte Design-Wettbewerb Büro 2041 befasst sich nicht nur damit, in die Zukunft des Büros zu blicken, sondern er beleuchtet auch die bisherigen und aktuellen Gegebenheiten in Sachen Bürogestaltung. In diesem Kontext präsentieren wir eine Zeitreise durch die Bürogestaltung der letzten Jahrzehnte und unser heutiges Verständnis eines modernen, aktuell realisierbaren Büros, das die Bedürfnisse von Unternehmen und Mitarbeitern widerspiegelt: “Das Büro der Gegenwart”.
Das Büro der Gegenwart zeigt auf, wie eine innovative und ganzheitliche Bürogestaltung heute und in naher Zukunft unsere Arbeitsweise abbildet und damit den Anforderungen unserer Zeit gerecht wird.
Diese Anforderungen sind geprägt durch:
- Entkoppelung der Technik direkt vom persönlichen Arbeitsplatz
- Unterstützung von Wissenstransfer und Kommunikation
- flexible Nutzungsmöglichkeiten des Büros (als Einzel- oder Gruppenarbeitsplatz / Meetingraum / Kommunikationszone)
- atmosphärische und identitätsstiftende Gestaltung des Arbeitsplatzes

1. Der Rechner (Notebook) ist im Sideboard in einer Dockingstation untergebracht. Mobile Endgeräte und Funktastaturen, externer Monitor etc. machen die Nutzung frei im gesamten Raum möglich.
2. Der Tisch ist höhenverstellbar, hat keine asymmetrischen Gestelltraversen oder Kabelkanäle und ist frei von eingebauter Technik. Damit eignet er sich als Arbeitsplatz genauso wie als Besprechungstisch im Sitzen und im Stehen.
3. Die Hocker Bellows sind höhenverstellbar von Sitz- bis Stehhöhe und eigenen sich so als Sitzgelegenheiten für Besprechungen sowohl im Sitzen als auch im Stehen. Gleichzeitig wirken sie in unbenutzten Zustand durch ihr abstraktes Design als eigenständige Objekte.
4. Die Monitortafel von NSF verbindet den digitalen Informationszugang eines Monitors mit der analogen, haptischen Nutzung als althergebrachte Schreibtafel.
5. Ein Bibliotheksregal hält Wissen in Papierform bereit. Informationszugang und Wissenserwerb wird so über verschiedene Kanäle angeboten und gefördert. Die Abwechslung trägt zur Rekreation bei.
6. Die Formensprache ist leicht organisch, mit angenehmen Rundungen. Abwechslungsreiche und haptisch interessante Oberflächen wie Grastapete, Filzpaneele, Hölzer und Lack inspirieren und schaffen ein angenehmes Umfeld.
7. Aufgrund digitaler Technik ist der Stauraumbedarf gering. Die gewonnene Fläche kann für individuelle Wandgestaltung genutzt werden.
8. Moderne Beleuchtung mit LED ist langlebig, energiesparend und individuell veränderbar.
9. Ein nur 4cm starker Bodenaufbau aus Intercell ermöglicht jederzeit flexible Kabelführung.
Ein modernes und trendsetzendes Büro bietet also Vieles in Einem. Es ist idealerweise so gestaltet, dass der Mitarbeiter dort seine täglichen Arbeitsprozesse motiviert und produktiv umsetzen kann und es für ihn gleichzeitig ein Raum ist, der Identität stiftet und Identifikation mit seiner Aufgabe möglich macht.
Für eine Besprechung oder eine Gruppenarbeit muss er seinen Arbeitsplatz nicht mehr zwingend verlassen und in einen Konferenzraum wechseln, weil die Raumplanung und die Wahl der Möblierung beides direkt an seinem Arbeitsplatz ermöglichen. Das bedeutet kurze Wege und einen optimalen Zugriff auf die eventuell benötigten Unterlagen aus dem eigenen Arbeitsumfeld.
Das Büro zählt heute mehr denn je zum Lebensraum des Mitarbeiters, in dem er ein hohes Maß an Zeit verbringt. Aus dem Grunde spielt die atmosphärische Gestaltung der heutigen Büroräume eine große Rolle und wird in der modernen Bürogestaltung zunehmend mit berücksichtigt. So ist das Büro heute auch Rückzugsraum, Kommunikationsraum und vieles mehr.
Zur Unterstützung von Bewegung, zur Förderung von Kommunikation unter den Kollegen aber auch zur Reduktion von Technik an jedem einzelnen Arbeitsplatz, werden in der heutigen Bürogestaltung zunehmend Lösungen integriert, die die Technik in eigens geschaffene Technikzonen bündeln und damit für die einzelne Bürogestaltung mehr „Freiräume“ schaffen.
Wie das „Büro der Gegenwart“ im realen Raum aussieht, sehen Sie in unserer neuen Ausstellung in der Leopoldstraße 121.
Als Vergleich zum heutigen Verständnis finden Sie nachfolgend eine Präsentation der letzten 30 Jahre der Bürogestaltung und Einrichtung. Sie zeigt die für das jeweilige Jahrzehnt typischen Anforderungen und Bedingungen auf.
Wir wünschen eine inspirierende und aufschlussreiche Zeitreise.
Die 80er Jahre – Allein im Zellenbüro

Das Büro in den 80er Jahren dient vorwiegend als Raum zur Repräsentation der eigenen Persönlichkeit, die Einrichtung wird zum Statussymbol. Oft werden durch das eingesetzte Mobiliar interne Hierarchien abgezeichnet.
In dieser Dekade gibt es kaum Anforderungen an Technikintegration am Arbeitsplatz. Der Hauptfokus liegt auf dem Papier und auf schreibender Tätigkeit. Lediglich das Telefon und eine Leuchte belegen den Schreibtisch als technische Ausstattung. Das Arbeiten ist geprägt von Isolation und spielt sich vorwiegend in Zellenbüros ab. In dieser Zeit findet während der Arbeitszeit wenig interdisziplinärer Austausch unter Mitarbeitern und Abteilungen statt.
Die Unternehmensstrukturen der 80er Jahre sind eher starr. Von daher bestehen wenige Anforderungen an Flexibilität und Veränderbarkeit. Der einzelne Mitarbeiter arbeitet seine ihm zugewiesene Arbeit vielmehr ab.
Mit Einzug des PC in die Büros werden Überecklösungen am Schreibtisch üblich, um den Haupttisch wieder frei zu haben. Auch der angehängte Besprechungstisch wird zum “Standard”.

Die 90er Jahre – Der PC macht alles möglich

Die 90er sind das Zeitalter des PCs. Dieser hält nun flächendeckend Einzug am Arbeitsplatz. Dokumente werden vorwiegend getippt und nicht mehr auf Papier geschrieben. Durch den raumeinnehmenden PC wird der Platz am Schreibtisch knapp.
Dadurch entsteht schließlich die Notwendigkeit von tieferen Tischen. Als weitere platzsparende Neuerungen entwickeln sich diverse Telefon- und Bildschirmschwenkarme, tiefer-gesetzte Tastaturauszüge und die Beleuchtung wird ohne Standfuß am Schreibtisch integriert. Die ordentliche Verkabelung ist die Krönung eines guten Arbeitsplatzes.
Die aufkommenden Idee des “nonterritorialen Arbeitsplatzes” und “Desksharing” bedinen einen flexiblen und umbaubaren Arbeitsplatz. Der Schreibtisch wird ab sofort in erweiterbaren Modulen angeboten, auch “rechts” und “links” kann vom Kunden getauscht werden.

2000 – Das Ergonomiezeitalter

Im Zentrum der Betrachtungen steht Effizienz und Performance von Mensch und Raum. Durch das stetige Arbeiten am Bildschirm fällt der Blick auf Ergonomie und Ablaufoptimierung. Die Technik wird wieder kleiner und damit die Arbeitsplätze wieder kompakter. Gleichzeitig werden Unternehmensstrukturen beweglicher und Projekte werden interdisziplinär in Teams bearbeitet – eine höhere Flexibilität, Kommunikation und Transparenz wird erforderlich.
Die Antwort darauf ist wachsende Funktionalität der einzelnen Möbel (Vorwärtsneigung der Sitzfläche von Bürodrehstühlen, höhenverstellbare Armlehnen), offenere Bürostrukturen und neue Raumangebote für Kommunikation. Raumstrukturen und Ausstattung sollen Menschen bei Ihren Aufgaben unterstützen.
Der Stellenwert der Arbeit und dadurch der Anspruch auf ein positives Arbeitsumfeld nimmt zu. Man erkennt, dass der Raum unmittelbar auf den Benutzer wirkt.

2011 – Die “seelische Ergonomie”

In der Wissensgesellschaft ist das Know How eines Mitarbeiters das teuerste Gut. “Lernen” am Arbeitsplatz ist erwünscht.
Es gilt, diesem einen adäquaten Arbeitsplatz zu bieten, denn… Arbeitsraum ist Lebensraum, der engagierte Mitarbeiter verbringt über 60% seiner Wachphase im Büro. Die Sinnhaftigkeit des Tuns steht an erster Stelle, der Einzelne will Identifikation am Arbeitsplatz. Das Unternehmen will seine Leitsätze und seine Firmenphilosophie nach Außen und nach Innen leben und authentisch sein.
Ein gut gestaltetes “Ambiente” ist nicht mehr nur schönes Beiwerk sondern dient der Mitarbeiterbindung. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle: Raumklima, Akustik, Farbe, Material, Bewegungs- und Freiraum am Arbeitsplatz, Rückzugsmöglichkeiten für Konzentration und Entlastung.
Virtualität und Mobilität öffnen neue Möglichkeiten wo und wie gearbeitet wird. Die Anforderung der Multifunktionalität wächst bei Raum und Möbel. Die Abkehr von dem Möbel als Multifunktions-Maschine und die rasante Geschwindigkeit der technischen Entwicklung stellen dabei die Technisierung der Einrichtung in Frage.
Neue Themen wie LEED-Zertifikate und Green-Buildings beeinflussen die Innenraumgestaltung. Der Begriff der “Nachhaltigkeit” prägt alle Entscheidungen in einem Unternehmen, bis hin zur Produkt- und Materialwahl.

Die Fortsetzung unserer aktuellen Interpretation des Büros der Gegenwart finden Sie in den Entwürfen der Teilnehmer unseres Design-Wettbewerbs unter der Rubrik Büro der Zukunft. Lesen Sie dort, wie sich das Büro der Zukunft möglicherweise entwickeln könnte.